Wie ich mit Obsidian schreibe
Inzwischen habe ich mit den ersten Worten meines Fantasyromans begonnen und möchte erzählen, wie ich Obsidian bisher genutzt habe, um die Welt zu erschaffen und mir meine Gedanken zum Plot zu notieren.
Was ist Obsidian?
Obsidian ist ein Programm, um Notizen zu sammeln und Wissen zu verwalten. Die Notizen werden mithilfe von Markdown formatiert. Das ist eine Sprache, um Texte mit einfachen Abkürzungen oder Symbolen zu formatieren, wobei der Fokus darauf liegt, dass der Text auch im Quellcode, also mitsamt diesen Symbolen, gut lesbar ist.
Ich kannte Markdown nur sporadisch aus meinem Studium, weshalb ich den Abschnitt „Bearbeitung und Formatierung“ der Hilfeseite gelesen habe. Auf diesen Seiten wird auch sehr verständlich durch die Installation und erste Plugins geführt.
Obsidian hat einige allgemeine Vorteile: Zum Beispiel werden Notizen lokal gespeichert und können nicht nur von Obsidian selbst gelesen werden, sondern auch von anderen Programmen. Außerdem lässt es sich gut erweitern und bietet die Möglichkeit, Notizen untereinander zu verlinken. Ein weiteres Argument, das für mich persönlich sehr wichtig ist, ist die plattformübergreifende Nutzbarkeit. Ich verwende Obsidian hauptsächlich unter Linux, aber auch auf meinem Smartphone für private Notizen.
Das Synchronisieren der Notizen kann man selbst übernehmen, einem Drittanbieter übertragen, wie z. B. Dropbox oder OneDrive, oder man bezahlt Obsidian dafür.
Wie kann es mir beim Schreibprozess helfen?
Für mich kam Obsidian trotz der hohen Lernkurve (ich musste schließlich erst Markdown lernen) für mein schriftstellerisches Arbeiten infrage, obwohl es bekannte Programme gibt, die genau darauf ausgerichtet sind, wie z. B. das kostenpflichtige Scrivener.
Beim Schreiben und insbesondere beim Worldbuilding ist Obsidian sehr hilfreich, da ich Notizen miteinander verlinken, Bilder und Grafiken sinnvoll einbetten sowie mir verschiedene Übersichten über meine Notizen erstellen und anschauen kann.
Was ich außerdem an Obsidian schätze, ist die Möglichkeit, fokussiert in einer Umgebung schreiben zu können. Ich habe alle meine Informationen an einem Ort und muss nicht zwischen Programmen wechseln oder mich anderen Ablenkungen der digitalen Welt hingeben.
Mein Setup – Eine kleine Anleitung
Zuallererst habe ich einen sogenannten Vault für mein Schreibprojekt erstellt. Ich wollte privates Journaling und meine schriftstellerischen Tätigkeiten trennen und habe deshalb, in profanen Worten, einen eigenen Obsidian-Ordner angelegt.
Innerhalb meines leeren Vaults habe ich zunächst Ordner erstellt, in die ich später Notizen einsortieren werde, um alles übersichtlich zu halten:
- 01 Plot
- 02 Worldbuilding
- 03 Charaktere
- 04 Recherche
- 05 Ressourcen
- 06 Templates
Außerhalb dieser Ordner gibt es nur zwei Notizen: „Collection of Brain Pop-Ups“, in der ich alle neuen Ideen schnell und ohne große Einordnung festhalte, und die Notiz „Story Hub“, die meine Startseite beim Öffnen dieses Vaults ist.
The Hub
Mein Story Hub ist eine etwas aufwendigere Notiz, in der ich alles sammle, was ich zum Schreiben brauche. In meinem Fall ist das ein Hinweis, dass ich so schlecht schreiben darf, wie ich will, damit ich überhaupt ins Schreiben komme (Perfektion kann einen da sehr bremsen), sowie der Link zu einem YouTube-Video, das eine Stunde lang Schreibmaschinengeräusche und Musik aus der Wednesday-Serie abspielt.

In meinem Story Hub habe ich außerdem einen Abschnitt, der meine wichtigsten Überblicksnotizen verlinkt, sowie eine Übersicht meiner To-dos. Dies geschieht mit Dataview, einer kleinen Datenbank-Programmiersprache, die einem in Obsidian zur Verfügung steht. Kurz erklärt: Dieses Skript geht alle Seiten durch und schaut, wie sie getaggt wurden. Mehr dazu im Abschnitt Meine Routine.
```dataview
TABLE file.link, file.tags AS "Tags"
FROM #status
WHERE !contains(file.tags, "#status/done")
SORT status ASC
```
Dieser kleine Codeschnipsel führt zu folgendem Ergebnis in der Darstellung: Alle Notizen sind anklickbar und leicht zugänglich in dieser Übersicht.

Plugins
Der obige Abschnitt benötigt schon einige Plugins, damit alles so gut funktioniert und aussieht wie auf den Bildern. Ich halte es möglichst schlicht und habe nur das Nötigste installiert. Links unten neben dem Namen des Vaults befindet sich ein kleines Zahnradsymbol, das mit einem Klick die Einstellungen öffnet. Über die Option „Community Plugins“ kann man Plugins suchen, hinzufügen und aktivieren.
In meinem Fall sind es folgende Plugins:
- Advanced Tables – um schöne Tabellen zu generieren und intuitiv darin zu navigieren
- Colored Tags – damit meine Tags farblich hervorgehoben werden
- Dataview – um die oben genannte Übersicht aller To-dos zu generieren
- Excalidraw – um Zeichnungen anzufertigen (mit Stifteingabe)
- Multi-Column Markdown – um mehrspaltige Notizen zu erstellen, da Markdown das nicht nativ unterstützt
- Tag Wrangler – damit Tag-Hierarchien und gute Filterung möglich sind

Meine Routine
Das Wichtigste beim Anlegen von Notizen für mein Buchprojekt ist Sorgfalt. Wie ich oben bereits erwähnt habe, nutze ich die Plugins Tag Wrangler und Colored Tags. Am Anfang jeder Notiz kann man Properties hinzufügen – entweder manuell oder per Shortcut. Diesen kann man einsehen, wenn man Strg + P drückt und in der angezeigten Liste „Add file property“ sucht. Alternativ lässt sich das auch in den Einstellungen unter „Hotkeys“ einsehen und ändern.
Jede Notiz erhält bei mir Tags, die eine bestimmte File Property darstellen. Einerseits gibt es Status-Tags, die sich in „done“, „doing“, „todo“ und „revise“ unterteilen lassen. Andererseits gibt es Tags, die sich auf die Inhalte selbst beziehen, z. B. world/society, plot, pov/remenike oder type/god.


Die Verwendung von Tags erleichtert das Arbeiten enorm, wenn man nach bestimmten Themenbereichen suchen oder filtern möchte. Außerdem helfen sie dabei, To-dos zu finden und auf meiner Story-Hub-Seite darzustellen, wie oben in The Hub beschrieben.
Worldbuilding
Bevor man so richtig loslegen kann, muss man einige Themen recherchieren oder nachschlagen. Meine Rechercheergebnisse habe ich in einem separaten Ordner gesammelt, vieles aber auch direkt in meinen Worldbuilding-Ordner übernommen – zum Beispiel Informationen zu Booten (als Süddeutsche bin ich eine echte Landratte).
Meine fantastische Welt unterscheidet sich in vielen Punkten von der realen Welt, weshalb ich vor allem diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten festhalten musste. Wichtig ist dabei, für jede Idee eine eigene Notiz zu erstellen und diese fleißig miteinander zu verlinken. Ein Beispiel dafür ist unten zu sehen. Links können ganz einfach erstellt werden, indem man zwei eckige Klammern um eine Wortgruppe setzt, z. B. [[Bücher]].

Charaktere erstellen – Templates
Das nächste große Thema sind die Charaktere, die im Buch auftreten. Da sich bei Charakteren viele Fragen wiederholen – etwa zu Äußerlichkeiten, inneren Konflikten und Motivationen – habe ich hierfür ein Template erstellt.
Ein Template ist eine Vorlage, die man immer wieder automatisch einfügen kann. Bevor ich meine Charaktere erstellt habe, habe ich mir überlegt, welche Informationen ich zu jeder Figur festhalten möchte. Daraus entstand dann mein Template.
Das Einzige, was für Obsidian-Neulinge ungewöhnlich erscheinen mag, ist die erste Zeile nach den File Properties: {{title}}. Diese Anweisung sorgt dafür, dass die Überschrift des Dokuments automatisch aus dem Dateinamen übernommen wird. Wenn ich meine Notiz also „Alex“ nenne und anschließend das Template einfüge, wird dort automatisch „Alex“ als Überschrift eingesetzt.
Die folgenden Zeilen haben keine besondere Funktion – sie werden einfach in die Notiz kopiert:
---
tags:
- type/char
- status/todo
---
# {{title}}
## Grundlegende Informationen
Name:
Pronomen:
Geschlecht:
Alter:
Beruf:
Familie:
## Äußerlichkeiten
...
## Portrait
...
## Persönlichkeit und Inneres
...
## Beziehungen
...
Um dieses Template einzufügen, ohne Strg + C und Strg + V zu verwenden, drückt man Strg + P und sucht nach „Insert Template“. Anschließend wählt man das gewünschte Template aus. Obsidian ersetzt dann automatisch mithilfe des vorinstalliertem Template-Plugins alle Platzhalter und fügt den Text formatiert ein.
Mich würde interessieren: Was ist den geneigten Leser*innen meines Blogs bei Charakteren in Büchern wichtig? Wie werden sie interessant, und welche Details dürfen nicht fehlen?
Schreiben
Schwierig beim Schreiben ist, anzufangen.
Und den richtigen Zeitpunkt zu finden, das Worldbuilding fürs Erste abzuschließen. Details können sich später noch ändern, und Charaktere bleiben ohnehin meist eine dauerhafte Baustelle. Zumindest ist das bisher meine Erfahrung. Meine Hauptcharaktere sind in ihren Grundzügen fertig, aber viele Details entwickeln sich erst beim Schreiben.
Mir hat es geholfen, mir eigene Deadlines zu setzen und wirklich anzufangen. Gerade beim Plotten kann man sich sonst leicht verlieren. Das eigentliche Schreiben in Obsidian funktioniert bei mir so: Ich erstelle eine Notiz pro Szene, vergebe die File Properties, um den Status festzuhalten, und schreibe dann einfach drauflos.
Ich habe zwei Bücher über das Schreiben gelesen, und in beiden wurde betont, wie wichtig Überarbeitung ist und dass man sich nicht vom Perfektionismus blockieren lassen sollte. Der erste Entwurf ist selten gut – aber er enthält oft das Potenzial für einen großartigen Text.
Meine Routine besteht inzwischen darin, mir täglich eine Stunde Zeit zum Schreiben zu nehmen. Den globalen Plot habe ich bereits fertiggestellt, aber ich bin gespannt, welche Subplots sich noch entwickeln werden.
Das Feature – Die Graph View
Zum Schluss möchte ich noch ein sehr cooles Feature von Obsidian zeigen: die Graph View. Sie bietet einen Überblick über alle Notizen und deren Verlinkungen untereinander. Das ist besonders hilfreich, um isolierte Themen zu erkennen oder neue Verbindungen zu entdecken.
Unten ist zu sehen, wie das aktuell für meinen Roman aussieht.

Ich hoffe, mein Artikel hat den geneigten Leser*innen gefallen und weitergeholfen. Stellt mir gerne Fragen!


