Überredung
Dies ist der letzte Roman von Jane Austen, den ich zum ersten Mal gelesen habe. Das stimmt mich etwas traurig, da ich keine neuen Werke mehr von ihr entdecken kann. Es war wie immer ein Genuss und hat gut in die Frühlingsstimmung gepasst. Tatsächlich empfehle ich jedoch, dieses Buch eher im Sommer zu lesen – am besten an einem Strand.
Inhalt
Die Heldin Anne Elliot droht, eine alte Jungfer zu werden (eine sogenannte Spinster). Zu dieser Zeit war es unüblich, als Frau mit 27 Jahren noch unverheiratet zu sein. Eine Ehe war notwendig, um finanziell abgesichert zu sein, da Frauen damals kaum Rechte hatten.
Anne ist weder unattraktiv noch ungebildet, und sie stammt zudem aus adligen Verhältnissen – dennoch hat es sich einfach nicht ergeben. Ihre Jugendliebe, den mittellosen Frederick Wentworth, hat sie auf Anraten der guten Familienfreundin Lady Russell abgelehnt. Ganz vergessen konnte sie ihn jedoch nie, und natürlich kommt es dazu, dass sie sich wieder begegnen – zehn Jahre nach der aufgelösten Verlobung.
Es ist eine Slow-Burn-Geschichte mit sehr weisen und reifen Ansichten einer klugen Protagonistin. Anne weiß sich gut zu beherrschen und bewahrt selbst in einer katastrophalen Situation einen kühlen Kopf. Dementsprechend ist sie hoch angesehen und wird von ihrer Umgebung gern um Rat gebeten.
Kurz nach dem Unfall einer Freundin begegnet sie zufällig ihrem Cousin Mr. William Elliot. Unangenehm, aber zu der Zeit nicht ungewöhnlich: Er wäre ebenfalls eine Option zur Heirat. Doch was verbirgt sich hinter seinem tadellosen und höflichen Verhalten? Wird sie sich für ihn oder für den inzwischen zum Captain aufgestiegenen Wentworth entscheiden?
Was hat Überredung mit mir gemacht?
Ich war wie immer sehr begeistert und habe mich gefreut, dieses Buch erst vor Kurzem gelesen zu haben – und nicht schon mit Anfang zwanzig oder früher. Damals hätte ich es vermutlich nicht verstanden und wahrscheinlich als langweilig empfunden.
Mir gefiel, wie kontrolliert und gefasst Anne Elliot mit ihren Gefühlen umging und dabei sehr weise handelte. Sie ist keine extrovertierte Person, die ungefragt Ratschläge verteilt, sondern eine ruhige, aber bestimmte Persönlichkeit, die oft um Rat gebeten wird. Das hat mich sehr beeindruckt, da ich mir selbst nicht zutrauen würde, so gute Ratschläge zu geben.
Ich habe bei dieser Slow-Burn-Romantik sehr mitgefiebert und intensiv mit der Protagonistin mitgefühlt. Das Buch hat mich in meinem Glauben bestärkt, dass zur richtigen Zeit der richtige Mensch da sein wird – und dass es, wenn es beim ersten Mal nicht klappt, eine zweite Chance geben kann.
Bewertung
🪦🪦🪦🪦🪦Eine schöne, stille, aber kraftvolle Geschichte.
Dieses Buch war – wie die anderen Werke von Jane Austen – ein Volltreffer für mich. Es kam zur richtigen Zeit, im richtigen Alter, um reif genug dafür zu sein. Es strotzt nur so vor emotionaler Intelligenz. Gerade in dieser unruhigen Zeit mochte ich den heiteren und zugleich entschleunigten Ton des Buches sehr.
Wem würde ich das Buch schenken?
Allen über 25-Jährigen, die wissen möchten, wie schön es sein kann, auf die dreißig zuzugehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Buch auch jungen, geduldigen Leser*innen gefällt, sehe die Hauptzielgruppe jedoch eher bei etwas älteren Menschen.
Außerdem würde ich es jedem schenken, der Aufheiterung braucht oder vielleicht sogar Liebeskummer hat – als Ermutigung, dass die Zeit kommen wird, in der die richtige Person ins Leben tritt.
Welche Bücher empfehle ich dazu?

Natürlich empfehle ich alle anderen Werke aus Jane Austens Feder. Sie ist eine Meisterin des Dialogs und des feinen Humors. Gerade in Zeiten wie diesen sind ihre Bücher eine wunderbare Auszeit. Zudem schenken sie Zuversicht, weil ihre Protagonistinnen mit den wenigen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, ihre persönlichen Krisen bewältigen und dabei nicht den Mut verlieren.
Weiterführende Links
Um beim Lesen eine passende Atmosphäre zu schaffen, habe ich Klänge eines Strandes mit Möwen verlinkt. Es ist zwar ein bulgarischer Strand, aber so ähnlich habe ich mir den Strand in Lyme vorgestellt:
Zum Schluss interessiert mich wie immer, was die Meinung die geneigten Leser*Innen meines Blogs über Jane Austen denken und welches Buch sie am liebsten mögen.





