Sturmhöhe
Mit dem Anlaufen der neuen Verfilmung von Sturmhöhe und dem heutigen Valentinstag, dachte ich, mein erster Blogeintrag sollte eine Rezension zu diesem „Dark Romance“ Buch sein. Ich freue mich auf eure Meinungen zu dem Buch und auch zu der Verfilmung mit der wunderbaren Margot Robbie, die ich heute Abend im Kino sehen werde. Zunächst folgt aber meine Buchbesprechung für die geneigte Leser*in.
Inhalt, ohne große Spoiler
Dieses Buch ist nichts für zart besaitete Personen: es geht heftig zu in der Familie Earnshaw, seitdem der Vater Heathcliff adoptierte. Und hier beginnt schon der Teil, der mit Triggerwarnung versehen werden sollte. Dem Alter des Buches geschuldet und wegen der Thematik kommen einige rassistische Bezeichnungen über Heathcliff vor. Aufgrund seiner Hautfarbe wird dieser von der Familie Earnshaw schrecklich behandelt, insbesondere nachdem Vater Earnshaw verstirbt.
Die Tochter Catherine sieht ihren Adoptivbruder mit etwas anderen Augen als der Rest der Familie: sie verliebt sich in ihn, da er ein ihr ähnliches Temperament teilt. Catherines Bruder, Hindley, der in dieser Gesellschaft der Hausherr ist, verfällt dem lasterhaften Leben und lässt Familie und Anwesen verkommen, nachdem seine Ehefrau an Schwindsucht verstirbt.
Catherines Situation ist seitdem sehr schwierig. Sie kann wegen gesellschaftlicher (rassistischer) Normen Heathcliff nicht heiraten, da es einen sozialen Abstieg bedeutet. Zudem hat sie als Frau gute Gründe, den Heiratsantrag von Edgar Linton anzunehmen, den sie nicht liebt, der ihr aber ein sicheres stabiles Leben bescheren kann.
Bis hierhin gab es schon einige harte Schicksalsschläge und die Hauptcharaktere starten mit schlechten Karten. Wie wird sich Catherine wohl entscheiden und welche Konsequenzen werden daraus erwachsen?
Was hat Sturmhöhe mit mir gemacht?
Dieses Buch hat mich sehr tief mitgenommen und auf vielen Ebenen angesprochen. Es ist in seiner Sprache emotional so intensiv und die Beschreibung der rauen Landschaft spiegelt die vernarbten Seelen und ihren groben Umgang miteinander wieder.
Ich habe mit den Charakteren viel Mitleid empfunden und hätte sie am liebsten in den Arm genommen und zur Therapie geschickt. Man spürt sehr oft, wie schwer es ist, sich nicht der Wut hinzugeben, was für mich ein neues Erlebnis war, da ich Schwierigkeiten mit dem Gefühl habe.
Ein weiteres wichtiges und faszinierendes Thema in diesem Buch, war das transgenerationale (= über-Generationen hinweg) Trauma. Der geneigten Leser*In meines Blogs möchte ich nicht zu viel spoilern, deshalb möchte ich hier nur die Frage lassen: kann eine neue Generation die Konflikte lösen und Träume leben, die vorherige Generationen zur Verzweiflung brachten? Schließlich wurden diese unmittelbar geprägt von der Elterngeneration.
Bewertung
🪦🪦🪦🪦🪦 Ein dunkles Vergnügen
Die Sprache Emily Brontës hat mich tief beeindruckt und als braves Mäuschen habe ich gerne in die Abgründe der menschlichen Seele geblickt.
Wem würde ich das Buch schenken?
Jane Austen ist großartig – keine Frage. Aber was ist, wenn man gerade nicht für ihre Lebensfreude und ihren Optimismus zu begeistern ist, sondern etwas sehr düsteres will? Diesen Leser*Innen möchte ich dieses Buch empfehlen!
Ansonsten möchte ich dieses Buch jungen Frauen empfehlen, sofern sie bereit sind, etwas Zeit zu investieren. Da dieses Buch ein älterer Klassiker ist (zurecht), kann der Einstieg schwierig sein. Einerseits ist die Personenkonstellation durch sich wiederholende Namen kompliziert und die Sprache des 19. Jahrhunderts ist für eine junge Leserin zunächst gewöhnungsbedürftig. Aber wer diese Hürden meistert, wird mit schauriger Romantik und den Abgründen der Menschheit belohnt.
Welche Bücher empfehle ich dazu?
Eine ähnlich beeindruckende Geschichte aus der Feder von Emily Brontës Schwester Charlotte ist „Jane Eyre“. Hier ist die Protagonistin Jane Eyre auf sich gestellt und schlägt sich durch, so gut es als Frau im England des 19. Jahrhundert geht. Aber auch hier ergibt sich eine düstere Romantik, die nur auf den ersten Blick nach großem Glück wirkt.

Die geneigten Leser*Innen, die bei dem Wort transgenerationales Trauma aufgehorcht haben, können sich damit tiefer in dem empfohlenen Sachbuch informieren. Für meine ungarischen Leser empfehle ich „Örökölt sors“ von Orvos-Tóth Noémi. Es ist ein sehr plastisch beschriebenes Sachbuch, das anhand von eindrücklichen Beispielen zeigt, wie sich Traumata in das Nervensystem einbrennen und an das Kind übertragen werden.
Frau Orvos-Tóth empfiehlt ihren Leser*Innen noch ein weiteres Buch, das etwas verbreiteter im europäischen Sprachraum ist: „Dieser Schmerz ist nicht meiner“ von Mark Wolynn. Dieses Buch habe ich jedoch nicht selber gelesen und empfehle es daher ohne Gewähr.
Weiterführende Links
Wer nun zum Lesen inspiriert ist, sollte sich nun einkuscheln mit einem guten englischen Tee und mit diesen Klängen lesen:
Viel Spaß dabei und hoffentlich bis bald!





